Nora

Leb wohl treuer Freund

Wenn es soweit ist…

Bin ich dereinst gebrechlich und schwach,
und quälende Pein hält ständig mich wach,
was Du dann tun musst – tu es allein.
Die letzte Schlacht wird verloren sein.

Dass Du sehr traurig, verstehe ich wohl.
Deine Hand vor Kummer nicht zögern soll.
An diesem Tag – mehr als jemals geschehn –
muss Deine Freundschaft das Schwerste bestehn.

Wir leben zusammen in Jahren voll Glück.
Furcht vor dem Muss? Es gibt kein Zurück.
Du möchtest doch nicht, dass ich leide dabei.
Drum gib, wenn die Zeit kommt, bitte mich frei.

Nur- bitte bleibe bei mir bis zum Schluss
auch wenn es für Dich schwer sein muss.
Und halte mich fest und red mir gut zu,
bis meine Augen kommen zur Ruh.

Mit der Zeit – ich bin sicher – wirst Du es wissen,
es war Deine Liebe, die Du mir erwiesen.
Vertrauende Blicke ein letztes Mal –
Du hast mich befreit von Schmerz und Qual.

Und gräme Dich nicht, wenn Du es einst bist,
der Herr dieser schweren Entscheidung ist.
Wir waren beide so innig vereint.
Es darf nicht sein, dass Dein Herz um mich weint.

Jammerst Du noch, oder lebst Du schon ?

Jetzt mal ehrlich, dass ganze Leben ist doch mehr oder weniger beschissen. Also meistens jedenfalls… und vor allem… oft. Pickt man sich die wenigen, kleinen schönen Momente heraus, so bleibt doch bei den meisten nur noch eine Riesenlatte an Argumenten und Tatsachen übrig, die jeden Tag aufs Neue  beweisen, wie schrecklich alles ist. Krieg, Terror und Naturkatastrophen jagen sich gegenseitig fast schon täglich um die Wette, unsere Welt der lokalen und globalen Politik bietet fast schon eine komödienartige Szenerie. Selbst die Nachbarin betätigt schon morgens kurz nach sieben Ihren dröhnenden Staubsauger, so dass der Ruhevorteil selbst in einem dieser ehrenvollen Häuser schnell zu einem weiteren Aufreger werden kann.

Was bin ich froh, dass ich mir meines Elends und dessen der ganzen Welt voll bewusst bin. Ja, es ist wirklich ein richtiger Hauptgewinn, dass ich absolut checke, aus welch grausamen Hauptpunkten sich unsere bemitleidende Welt und unser Leben zusammensetzt. Das Wichtigste ist jetzt aber noch, dass ich jemanden finde, der mit mir mitjammert oder mich am besten dabei noch bei Weitem übertrifft. Zusammen jammert es sich einfach viel besser und der Spaßfaktor ist wesentlich höher. Zudem kann man dann auch gemeinsam entdecken, dass unsere Welt ja noch weitaus schlimmer als vermutet ist, vor allem wenn man dann auch noch täglich von den schrecklichen Begebenheiten aus dem Leben des anderen hört. Oder aber von Katastrophen, die er wiederum von einem anderen gehört hat und sogar noch viel entsetzlicher findet.

So versetzen sich dann zwei Jammerlappen in ihre ganz eigene Wirklichkeit. Diskutieren quasi kompetent von Lappen zu Lappen und denken im Traum nicht daran, die Bombe zu entschärfen.

Mit Ignoranz der höchsten Stufe werden gute Nachrichten mutig ignoriert und der Frust über die ach so schlechte Welt auf einem konstant, hohem Niveau gehalten.

Man kann das Ganze sogar noch toppen, oh ja!!  Da wäre ja noch das Selbstmitleid, in dem man ganz und gar zerfließen kann. Ganz besonders schlecht hat es das Schicksal dabei bei der Partnerwahl, die durch die Mitmenschen total versauten Kinder, dem Chef der als Sklaventreiber fungiert und natürlich dem geldgeilen Vermieter gemeint. Und überhaupt!!! Allein in der Gesellschaft des anderen Jammer-Lappens fühlt man sich verstanden und gut aufgehoben, denn er könnte es unter Umständen noch schlechter als man selbst getroffen haben.

Jedenfalls macht es Spaß, Letzteres zu glauben und durch gezielt fiese Nachfragen herauszufinden.

Rum zu jammern ist schon eine feine Sache. Man braucht sich noch nicht einmal anzustrengen, sondern kann einfach und ohne jeglichen Vorkenntnisse loslegen. Ein Wort nach dem nächsten gejammert, ist wie ein Lufthauch ins Leben. Am besten wechselt man sich dabei mit dem seelenverwandten Jammerlappen ab, damit sich das gemeinsame Gejammer  zu einem ungeahnten und für Außenstehende nicht nach zu vollziehenden Höhepunkt entwickeln kann. Sprich sich eine riesen Jammerwolke bildet, und zu einem unendlichen Universum des Elends heranzuwachsen kann.

Trost spendet dabei nur die Tatsache, dass auch der andere Jammerlappen genauso genervt und gedemütigt von diesem ach so schlechten Leben ist, und man feststellt, dass das reflexartige  Stöhnen über all die bösen Mitmenschen, die Welt, seine Krankheiten die man dann mal schnell hat, und das sind einige… sowie sich selbst, einer der so liebgewonnenen und vertrauten Töne ist, die längst schon einen sehr intimen und einzigartigen Charakter angenommen haben.

Soll doch alles zum Teufel gehen!! Das Wichtigste im Leben ist doch, dass steht‘s einer da ist, der schon dann laut aufstöhnt, wenn er nur meinen Namen hört oder mich sieht! Es ist eben eine enorme Erleichterung und Freude zu wissen, dass da jemand ist, der genauso leidet und denkt wie ich….!!

Jammern verbindet eben ungemein – es gibt den Jammerlappen das Gefühl von Geborgenheit und Halt.

Aber egal… wisst Ihr was? Jammert mal schön weiter….. während ich und zum Glück auch viele andere in dieser bösen, ach so schlechten Welt leben und sie genießen.

Jammerst Du noch, oder lebst Du schon ?

 

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